Improvisation

Wahrhaftiges Verhalten unter imaginären Umständen
improvisation
Schauspieltraining basiert heute auf den Grundlagen des Systems von Konstantin S. Stanislawski, fortgeführt und weiterentwickelt von Schauspielern, Schauspiellehrern und Regisseuren wie Michael Tschechow, Bertolt Brecht, Sanford Meisner,
William Esper, Stella Adler und Keith Johnstone…

• „The truth in art is the truth in circumstances.“ „Die Wahrheit in der Kunst ist in der Wahrheit der Umstände.“ Stella Adler

Unser Ziel ist Spontaneität, Freiheit und Verletzlichkeit. Und indem du dich selbst in Ruhe lässt und in wirklichem Kontakt mit deinem Partner bist, wirst du lernen dich ehrlich und überzeugend auszudrücken. Wir lehren zunächst einmal einfach das: Unter vorgestellten Umständen wahrhaft leben und tun und zwar als du selbst und bewegen uns dann zu mehr und mehr komplexen Charakteren und Szenen mit Hilfe einer Serie von Übungen.

„Von einem Schauspieler wünschen wir uns Unmittelbarkeit, Ehrlichkeit seines Verhaltens, Offenheit für den Moment, Bereitschaft sich verändern zu lassen, interessiert an allem menschlichen zu sein. Schauspielerei ist sowohl Kunst als auch Handwerk. Wir wollen die künstlerische Ausdruckskraft und Fähigkeit entwickeln und fördern, das Selbstvertrauen in die eigenen Fähigkeiten. Dazu gehören Vorstellungskraft und Kreativität als auch Genauigkeit in der Vorbereitung, denn gutes Spiel ist kein Zufallsprodukt. Das Ziel ist es künstlerische Freiheit mit und in der Form des Handwerks zu erlangen.
Im Laufe des Schauspieltrainings werden wir uns mit verschiedenen Techniken auseinandersetzen, die alle das eine Ziel haben: den Schauspieler wahrhaft und transparent und lebendig, präsent, werden zu lassen.“

“Am Anfang aller Theaterarbeit soll Spiel stehen. Von Beginn der Ausbildung an sollen immer wieder spielerische Versuche unsere Arbeit begleiten.
Spiele sollen uns innerlich und äußerlich beweglich machen, nähern wir uns dem Spiel von Rollen, dem szenischen Spiel, sollen wir offen sein dem Überraschenden, dem Spontanen und Frischen, doch “mit so etwas wie Ernst dabei”, wie Georg Büchner sagt.
Spielend konzentrieren wir uns auf die Spielanlässe, auf die Bedeutungen und die Partner. Ein wahrnehmender Schauspieler ist ein lebendiger und deshalb präsenter Schauspieler. Das Wahrnehmen durchpulst uns, lädt unseren Körper, unsere Seele und unser Denken auf, steigert unsere Reaktionsfähigkeit, rührt unser Inneres auf und drängt es zur Äußerung, lässt unsere Stimme schwingen, unsere Sprache den Raum füllen, unsere Bewegungen und Gesten ausgreifen und unsere Gefühle strömen.
Wahrnehmungsschulung zielt auf die Wahrnehmung der anderen. In diesem Sinne ist sie elementare Menschenbildung und Schulung für die Bühne zugleich. Wenn wir uns zum Schauspieler ausbilden, schärfen wir den Blick für das Verhalten der Leute, wir studieren das Leben – auf der Strasse, in Kneipen und Banken, in Warenhäusern, Bahnhöfen, Plätzen, Fabriken, Krankenhäusern, Hotels, Eisenbahnen, Elendsquartieren oder Cafés – wir interessieren uns für die Menschen, für ihr Verhalten. Erinnerungen an andere Menschen und deren Verhalten bergen in uns einen Schatz, den wir nur zu heben brauchen.
Vor allem aber Erinnerungen zu wecken an eigene Erlebnisse, sie bewusst und zugänglich zu machen, ist ein wichtiges Anliegen der Ausbildung. In Erinnerungsübungen beginnen wir mit dem Spielen von Erinnerungen an einfache Handlungen und alltägliche Begebenheiten.
Aber auch auf vorgestellte Welten uns einzulassen, fiktive Bedingungen für real zu halten und spontan darauf zu reagieren, muss als Fähigkeit geweckt werden. Theaterspielen ist Handeln unter angenommenen Bedingungen.
Die Komplexität des Theaterspiels stellt einen enormen Anspruch an die Vorstellungs- und Einbildungskraft, an die Konzentrationsfähigkeit und Handlungsbereitschaft der Spieler.
Bis zur Meisterschaft ist der Weg auch für Begabte lang. Übungen, welche die Imaginationskräfte wecken und das Handlungsvermögen stärken und organisieren helfen, verkürzen diesen Weg.” Felix Rellstab

Lehrer des Fachs Improvisation: Marcus Staiger