Szenenarbeit

Einen fremden Text in Partner- und Gruppenarbeit zum eigenen machen. Auf der Bühne muss man handeln. Handlung, Aktivität – das ist es, worauf die dramatische Kunst, die Kunst des Schauspielers basiert. Das Wort „Drama“ bedeutet im Altgriechischen „sich vollziehende Handlung“.

Handeln auf der Bühne

Im Lateinischen entspricht ihm ein Wort, dessen Wurzel in unsere Worte „Aktivität“, „Akt“, „Akteur“ übergegangen sind. Also: Das Drama auf der Bühne ist die sich vor unseren Blicken vollziehende Handlung, und der Schauspieler, wenn er auf die Bühne hinaustritt, wird zu einem Handelnden.
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Die Regungslosigkeit eines auf der Bühne Sitzenden ist noch kein Maßstab für seine Passivität. (…) Man kann regungslos sein und trotzdem wirklich handeln, freilich nicht äußerlich, nicht physisch, sondern innerlich – psychisch. Und nicht nur das. Oft genug resultiert physische Regungslosigkeit aus gesteigerter innerer Aktivität, die in der Kunst so besonders wesentlich und interessant ist. Darum will ich meine Formel ein wenig ändern und sie so formulieren: Auf der Bühne muss man handeln – innerlich und äußerlich. Darin erfüllt sich einer der wesentlichsten Grundgedanken unserer Kunst, der Gedanke der Aktivität und Wirksamkeit unseres Bühnenschaffens. (…)

Auf der Bühne darf man nicht „allgemein“ handeln, um des Handelns willen, sondern das Handeln muss begründet, zweckmäßig und produktiv sein. (…)

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Man kann kein Gefühl aus sich herauspressen, man kann nicht lieben, leiden, eifersüchtig sein um der Liebe, um des Leidens und der Eifersucht willen. Man kann die Gefühle nicht vergewaltigen. Das läuft auf widerwärtigste Komödianterei hinaus. Und so lassen Sie denn bei der Wahl einer Handlung Ihr Gefühl in Ruhe. Es meldet sich ganz von selbst als Reaktion auf einen Vorgang, der Liebe, Leid und Eifersucht erst auslöst. Konzentrieren Sie Ihre Gedanken auf diesen Vorgang und trachten Sie danach, ihn in Ihrer Umgebung zu schaffen. Um das Resultat machen Sie sich keine Sorgen. (…) Der wahre Schauspieler muss (…)nicht die äußeren Erscheinungsformen der Leidenschaft nachäffen, nicht die Gestalten von außen kopieren, nicht nach dem Schauspielerritus mechanisch mimen, sondern menschlich wahrhaftig handeln. Man kann nicht Leidenschaften und Gestalten spielen, sondern man muss unter dem Einfluss der Leidenschaften in der Gestalt handeln (…)

Konstantin S. Stanislavskij

Szenenarbeit-Lehrer:
Hanna Petkoff
Klaus Hoser
Torsten Spohn
Marcus Staiger
Peer Martiny