Rollenstudium
Einzelstunden für die Erarbeitung eines Repertoires an Vorsprechrollen
"Auf der Schauspielschule lernt man, seine Phantasie und Imaginationsfähigkeit zu trainieren, Bilder und Gegenbilder zu entwerfen und sie im Rollenstudium auszuarbeiten.
Entweihet meine Hand verwegen
dich,
oh Heil'genbild, so will ich's lieblich
büssen.
Zwei Pilger, neigen meine Lippen
sich,
den herben Druck im Kusse zu
versüssen.
Mit diesen Worten spricht in Shakespeares Romeo und Julia der maskierte Romeo auf einem Fest ein tanzendes junges Mädchen an, während er ihre Hand fasst: ein Nährboden für die noch ungenutzte Phantasie und Imaginationsfähigkeit der Schauspielschüler entsteht, wenn diese vier Zeilen kritisch und neugierig mit Hilfe von Fragen untersucht werden: Wer ist dieser Mensch? Wo befindet er sich? Was will er hier erreichen? Wie fühlt er sich in diesem Augenblick? Woher kam er? Wohin will er gehen?
Die Gegenwart der Figur, ihr Hier und Jetzt (was will sie erreichen und wie fühlt sie sich?), wird mitbestimmt durch die Vergangenheit des Woher und die Zukunft des Wohin. Das Sein der Figuren ist zugleich Gewordenes und weiterhin Werdendes.
Durch diese Fragen auf die Spur gesetzt, denken und phantasieren Schauspielschüler sich ein Vorwissen über ihre Rollen, entwickeln Vorstellungen von Gefühlen, Gedanken, Verhaltensweisen, Körperhaltungen und Bewegungen. Wenn sie unterschiedliche Gedanken und Fantasien äußern, erkennen sie, dass es viele Möglichkeiten für jeden szenischen Augenblick gibt. Je nach Veranlagung und innerer Bereitschaft, unterschiedlich in ihrer Weltsicht, ihrem Wissen und ihren Erfahrungen, lassen sie sich auf dieses Spiel von Denken und Fühlen ein und ergründen hinter dem Text, was in den Herzen und Köpfen Romeos und Julias vorgehen könnte."
(Jakob Jenisch, Ich selbst als ein anderer)
Als Grundlage des Rollenstudiums wird von den Studenten eine Rollenbiografie angefertigt. Hier ein Beispiel für eine Rollenbiografie.
Lehrer:
Hanna Petkoff
Janusz Cichocki
Klaus Hoser
Marcus Staiger
Marko Bräutigam