Pressespiegel

Rezensionen im Pressespiegel:

Friederike Kempter, die Neugierige aus Berlin-Mitte

 

Pressespiegel: friederikekempter
Friederike Kempter
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Schauspielerin Friederike Kempter dreht für „Tatort“ und „Ladykracher“. Ein Gespräch über wahrhaftiges Spiel, den Verlust guter Freunde und die große Lust auf das Theater

Zittern hätte das Aus bedeutet. Als Friederike Kempter vor wenigen Wochen für den Science-Fiction-Film“Pandorum“ in Babelsberg vor die Kamera trat, geschah dies nur für eine kleine Einstellung, aber eine, die es in sich hatte. Die Kamera zoomte die Iris der Schauspielerin heran – die Totale des Auges als Eröffnungssequenz. Gefragt war absolutes Stillhalten. Ein fast unmögliches Unterfangen, entgeht der Kamera doch wenig. Nicht einmal das Pulsieren des Herzschlags im Augapfel. Friederike meisterte die Aufgabe und wurde auch für den Schluss des Films gebucht.

Zum „Pandorum“-Set gehörten rund 130 Mitarbeiter. Eine Produktion, die größer war als jene, für die Kempter bislang gebucht war: für „Ladykracher“ oder den „Tatort Münster“.

Jetzt sitzt die 29-Jährige in der Bar „Blaues Band“ an der Alten Schönhauser Straße, nippt an einem Minztee und erzählt vom großen „Pandorum“-Dreh. Von Hollywoodschauspieler Ben Foster etwa, der trotz des hektischen Umfelds perfekt funktionierte. „Kurz vor Drehbeginn spaßt der noch mit mir, dann kommt das ,Action‘, und er ist voll in der Szene drin, weint nach Vorlage!“ Es klingt Bewunderung durch. Für die Set Designer, die Routine der Produktionsleute und wie diese auch Schauspielern mit kleineren Rollen das Gefühlt des Dazugehörens vermittelten.

Während des Interviews hält Kempter Blickkontakt. Ein Forscherblick, der die Gedanken des Gegenübers ergründen will, einer, den man bei Friederike Kempter oft sieht. Der zu erkennen gibt, dass sie gern und schnell die Reaktionen auf ihre Erzählungen erfassen möchte. Denn sie erzählt gern und viel, auch von sich. Sie mag es, wenn Menschen auf sie neugierig sind, und sie ist es selbst. „Ich will wissen, warum etwas ist, wie es ist.“ Zeitung lesen sei deshalb ein Faible von ihr. Wenn sie dies mal nicht tut, kann es sein, dass man sie joggend am Schlachtensee trifft, mit Hund und Freund, oder sie spricht Hörspiele.

Dass sie zu ihrem Fach kam, war nicht selbstverständlich, aber doch vorgezeichnet. „Ich wollte bereits mit zehn Jahren Schauspielerin werden“, sagt sie. Ihr Vater war davon wenig begeistert, wünschte, dass sie Jura studiert. Gern hätte Friederike Kempter Ballettunterricht genommen, doch es gab ihn nicht. Sie, die aus einem kleinen schwäbischen Dorf namens Freudental bei Ludwigsburg stammt, hielt das nicht von ihrem Weg ab. Sie brachte sich „erst mal Hochdeutsch bei“, absolvierte ein „gutes Abi“ und studierte Geschichte und Politik. In einem Wettbewerb für das Magazin „Prinz“ gewann sie einen Workshop bei der Medienschauspielschule in München. „Da wurde ich entdeckt“, sagt sie und grinst, als amüsierte sie das Wort.

Es folgten erste kleinere Schauspielarbeiten neben der Uni. Aber die Zweigleisigkeit mit Studium und Schauspiel war auf Dauer nicht durchzuhalten. Seit 2000, als sie nach Berlin-Mitte zog, bekam sie regelmäßig Aufträge für Kino- und Fernsehfilme, für Produktionen wie „Soko Leipzig“, „Beach Boys“, „Tatort“, gelegentlich ergänzt durch Abschlussfilme von Hochschülern. Es gab auch Filme, die ihr nicht lagen, Angebote, auf die sie nicht einging. „Manche Drehbücher sind so doof, dass man sie gegen die Wand klatschen möchte. Zum Glück kann ich auch auswählen.“

„Ladykracher“ war eine klare Wahl, denn in der Serie spielt sie nicht nur eine feste Rolle. Die Arbeit mit Anke Engelke bereite auch viel „Spaß“. Wie sehr, sah man in einer der jüngsten Folgen. Da mimten Engelke und Kempter zwei Blondinen, die sich mit ihrem Lachen hochjuxsten. Eine schrille, gut gespielte Szene, die zeigte, dass zwei am Set gut miteinander können.

Mitunter klingt durch, dass Kempter ihr Spiel gern verbessern würde. Sie sagt: „Ich habe immer wieder Zweifel, ob ich mich schon zu 100 Prozent als Schauspielerin bezeichnen darf.“ Es sind Sätze wie diese, die sie sympathisch machen und wohltuend abheben von den Schauspielern, die ihr Können für komplett halten. Kempter tut dies nicht. Zu gutem Schauspiel gehöre, dass man „immer wieder aufs Neue das Risiko des Scheiterns eingeht, und mit Mut an die Arbeit geht“.

Kempter lernte an keiner großen staatlichen Schule, sondern an der privaten Schauspielschule „Der Kreis“ in Berlin. Ein Manko muss dies nicht sein. Den „Kreis“ besuchte auch Thomas Kretschmann, heute dreht der auch in den USA. Kempter zieht es dort nicht unbedingt hin. „Ich mag die deutsche Sprache sehr“, sagt sie, die gern das Theater erkunden würde. „Das ist so ein Wunsch.“ Für die Bühne gebe es aber momentan keine Angebote. Leider. Und was ist ihr Traum vom Traum der Schauspieler, vom wahrhaftigen, authentischen Spiel? „Man muss groß in die Szene gehen. Mit Selbstvertrauen. Dann kann mir der Regisseur den Raum geben, den ich brauche.“

Es gab Rollen, in denen sie Raum bekam, ihn ausfüllte und sich freispielte. Etwa als sie jüngst ein behindertes, spastisches Mädchen spielte, eine Episodenhauptrolle in einer Sat.1-Produktion, da fand sie sich „richtig gut“. Die Produktion auch, die schon darüber nachdachte, die Rolle sterben zu lassen.

Es kann beim Spielen Szenen geben, die auch mal unappetitlich sind und die deshalb schwer fallen. Kempter erlebte dies, als sie bei „Ladykracher“ einen Komparsen in einen Pathologiesaal schieben musste. Ihm ragte eine Kerze aus dem Po, weil die Rolle dies so verlangte. Kempter rang mit ihrer Beherrschung, zwischen Lachen und Hysterie. „Ich wusste für einen kurzen Moment nicht, wie ich dies schaffen sollte.“ Sie schaffte es, manövrierte „den Kerzenmann“ drehbuchgerecht umher.

Friederike Kempter kokettiert gern, scheint ein wenig mit den Erwartungshaltungen ihrer Zuhörer zu spielen. Wertet deren Reaktionen aus und bewertet, wie sie selbst wirkt. Es scheint bei ihr Routine. Sie weiß, dass sie für Kameramänner eine dankbare Erscheinung ist. Jung, telegen, gut einsetzbar, auch weil sie als unprätentiös gilt. Ist so jemand nie unsicher? Doch, sagt Kempter, nur sehe man ihr dies nicht immer an.

Die Schauspielerin wird gebucht, weil sie als zuverlässig gilt, auch als eine, die dem Team am Set gut tut. „Ich bin nett“, sagt sie. Bei jemandem anderen würde man lauthals lachen, bei ihr nicht. Sie ist nett. Auf eine überzeugende Art. „Gekauft“ würde wohl ein Regisseur sagen, und ihr kauft man einiges ab.

Beim Reden gestikuliert sie viel, wirft Zuhörern schon mal gezielt einen schwärmerischen Augenaufschlag zu, auf eine angenehme Weise. Kempter zeigt, dass die Mechanismen des Filmgeschäftes kennt. Können sei das eine, sagt sie, aber ohne Netzwerk blieben mitunter auch begabte Schauspieler auf der Strecke. Beispiele gebe es genug.

So positiv, so überraschend erfolgreich vieles in ihrem Leben scheint, machte auch sie Bekanntschaft mit den Widrigkeiten des Lebens. „Ich weiß, dass es nicht die Großmutter sein muss, die als Erste geht“. Sie meint Bekannte und Freunde, die jung starben. Plötzlich wirkt sie nachdenklich, überprüft abschätzend, ob sie verstanden wurde, und schickt ein Lachen hinterher. Lachen als Situationslöser.

Die Jungschauspielerin lacht oft, auch über sich, und sie bewegt sich gern. „Mit einer guten Körperlichkeit kann man viel steuern“, sagt sie und posiert wie eine Breakdancerin vor einer Graffiti-verschmierten Hauswand. Plötzlich stürmt ein Fotograf auf sie zu: „Hallo, Sind Sie nicht die ‚Tatort‘-Tante?“ fragt er und bittet um eine Fotogelegenheit. Friederike Kempter erfüllt ihm den Wunsch. „,Tatort‘-Tante“, sagt sie kopfschüttelnd, lacht und verschwindet zwischen Passanten. Bekanntheit, das ist mitunter auch der ungeliebte Preis der Schauspielerei.

7.12.2008, Welt online, von Dirk Westphal

 

»Pille Palle ist das nicht«

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Wer bei staatlichen Schauspielschulen nicht genommen wird, der kann sich immer noch bei privaten bewerben. Aber Vorsicht: »Pille Palle ist das nicht«.

Ob private Schauspielschulen ernst zu nehmen sind? Die wollen nur das Geld, die Qualität der Lehre kann da nicht mithalten – so ein gängiges Klischee. Eine Betrachtung aus der Nähe ergibt ein differenzierteres Bild.

»Eine harte Schule ist das hier«, erklärt Nina Richer-Rose von der »Transform-Schule«. Castings, Drehtage, Auftritte – auch für die Schauspielschüler der Fritz-Kirchoff-Schule sind das die Topthemen in der Pause. Ihre Unterrichtsräume befinden sich in der Dachetage eines Hinterhofhauses in Kreuzberg. Räume, in denen nach Lust und Laune geschrien, getanzt und laut gelacht werden kann, ohne dass ein Nachbar verärgert an der Tür klopft.

Den drei staatlichen Schauspielausbildungen in Berlin und Brandenburg steht ein Dutzend privater Schauspielschulen gegenüber. Bei diesen ist die Ausbildung meist ein halbes Jahr kürzer, und sie verfügen über weniger Lehrpersonal. Ein weiterer Unterschied ist der Preis: Die staatlichen sind kostenlos, die privaten kosten monatlich 280 bis 450 Euro. Wer an einer staatlichen Schule genommen wurde, hat Talent bewiesen. Wer nicht genommen wurde, hat immer noch die Möglichkeit, sich an einer Privatschule zu bewerben; aber verantwortungsbewusste Privatschulen nehmen auch nicht jeden.

Fragt man die Schüler nach ihrer Motivation für diesen Beruf, erhält man oft zur Antwort, der Betreffende habe schon eine Ausbildung hinter sich und angefangen zu studieren, war aber nie vollends zufrieden damit. Nina Richer-Rose erzählt strahlend, wie schön es jetzt für sie ist, »morgens aufzustehen und sich auf den Tag zu freuen.« Auch wenn die Tage anstrengend sind, da sie sich das Studium selbst finanziert und bis nachts im Callcenter arbeitet. Vor allem bedauert sie: »Für Freunde bleibt insgesamt wenig Zeit: mit Pille Palle ist da nichts.«

Aber welchen Wert hat der Abschluss einer Privatschule? Selbst, wenn die Schulen mit dem Prädikat »staatlich anerkannt« werben, sagt dies nichts über Qualität der Schule oder des Abschlusses aus. Der Schulabschluss kann ein Zeugnis, eine Abschlussinszenierung oder können erarbeitete Vorsprechrollen sein. An manchen Schulen ist von der Prüfung vor der ZBF die Rede. Die ZBF ist die Zentrale Vermittlung für Bühne und Film, sozusagen das Arbeitsamt für Schauspieler. Sie entscheidet darüber, ob sie die Absolventen auf dem Arbeitsmarkt für vermittelbar hält. Wenn ja, werden die Schauspieler in ihre Kartei aufgenommen, und die ZBF kann ihnen Engagements vermitteln oder sogar Reise-, Bewerbungs- und Fortbildungskosten übernehmen.

Willi Händler von der ZBF erklärt zum Unterschied zwischen privaten und öffentlichen Schulen: »Von den verschiedenen Profilen der Schulen sei bei der Prüfung nichts zu erkennen.« Die Fähigkeiten der Schüler lassen sich aber sowieso eher an der Beherrschung des schauspielerischen Handwerkes messen; das gilt insbesonders für die Theaterarbeit. Beim Film gelten andere Kriterien: Simone Bär, Chefin einer Berliner Casting-Agentur, betont die Bedeutung der Persönlichkeit.

Sind die Chancen nach der Ausbildung schlechter, weil man auf keiner staatlichen Schule war? Alexander Milo von der Fritz-Kirchoff-Schule meint: »Nein, denn vor dem ›Herrn‹ sind alle gleich – vor dem Caster, versteht sich.«

Worauf es bei der Ausbildung wirklich ankommt, zeigt sich oft erst später im Beruf. Milena Dreißig hat ihre Ausbildung vor drei Jahren an der Fritz-Kirchhoff-Schule beendet. »Es hat mir sehr gefallen und ich habe wahnsinnig viel gelernt«, erzählt sie. Die Schule sei sehr handwerklich orientiert. Was sie dort jedoch nicht gelernt habe, ist, wie man im Beruf Fuß fasst: Agenturen, Selbständigkeit, Krankenkasse. Das müsse man sich selber beibringen oder von Kollegen lernen, die schon im Beruf sind.

(Sabine Schereck, 1. November 2004)

 

Berlins älteste Schauspielschule spielt den „Urfaust“

50jähriges Jubiläum der Fritz-Kirchhoff-Schule

Es gab Grund zum Feiern. Berlins älteste Schauspielschule, die Fritz-Kirchhoff-Schule „Der Kreis“, beging ihr 50jähriges Bestehen. So mancher bekannte Name ist mit dieser Schule verbunden. Alt-Mime Günther Pfitzmann erhielt dort ebenso seinen Schliff wie der Jungstar Thomas Kretschmann.

Der jetzige Leiter Dietrich Lehmann, viele kennen ihn vom Grips-Theater, ist der Institution seit seiner „Schulzeit“ Anfang der sechziger Jahre verbunden. Nach einleitenden Worten zum Jubiläum lockte er einen ehemaligen Schüler auf die Bühne. Andreas Zimmermann, Kabarettist und bestens bekannt von den Stachelschweinen, las einige Zeilen vom zweiten Geburtstagskind des Tages, von Johann Wolfgang von Goethe. Dazu passend folgte der Höhepunkt des Abends, die Aufführung von Goethes „Urfaust“.

Auf vier Bühnen, in Anlehnung an das mittelalterliche Kirchweihspiel, zeigten Schüler der höheren Semester das Drama vom Gelehrten Faust, der seine Seele an Mephisto verpfändet.

In der Inszenierung von Klaus Hoser, Renate Reiche und Janusz Cichocki wurde ein Stück zur spannenden Kurzweil, das zu Schulzeiten eher Langeweile auslöste. Besonders reizvoll war die Teilung der männlichen Hauptrollen. So spielten Hardy Kistner und Jörn Hentschel den Faust, die Rolle des Mephisto war sogar dreifach besetzt (Dieter Richert, Katja Zanger und Thomas Falk). In das diabolische Spiel verstrickt sind das Gretchen (Victoria Madinceas) und die Marthe von Judith Kruder.

Mit Bravour meisterten sie die sprachlichen und darstellerischen Schwierigkeiten des Dramas. Die Schauspieler von morgen zeigten ihr Können. Da kann man auf ein weiteres langes Bestehen der Fritz-Kirchhoff-Schule hoffen.

Berliner Morgenpost vom 30.8. 1995

 

 

Joachim Bliese über die Ausbildung von Schauspielern

Nachwuchs-Mimen lernen sogar japanisches Aikido

Als private Fachschule für Schauspielausbildung genießt sie in Berlin und darüber hinaus einen guten Ruf: die Fritz-Kirchhoff-Schule „Der Kreis“. Im Gegensatz zur staatlichen Hochschule der Künste (HdK) ist sie eine zwar staatlich genehmigte undminimal subventionierte, aber dennoch private Institution. Beate Menner, Edith Elsholtz und Inge Wolffberg, Hans Peter Hallwachs, Günter Pfitzmann, Ralf Wolter und viele andere heute bekannte Darsteller erhielten hier ihren ersten Schliff. Viele Jungmimen bekamen nach ihrer ersten Ausbildung schnell erste Engagements in Berlin oder anderswo.

Das Institut entstand aus der Initiative und dem Idealismus eines einzelnen, des Theater- und Filmregisseurs Fritz Kirchhoff, der es 1945 gründete und bis 1953 leitete. In den folgenden Jahren übernahm Marianne Kirchhoff-Stoldt diese Aufgabe, und 1981 wurde Dietrich Lehmann, Schauspieler und ehemaliger Schüler des Instituts, mit der Leitung beauftragt.

Was zeichnet diese Fachschule für Schauspieler vor anderen aus? Joachim Bliese, Ensemblemitglied der Staatlichen Schauspielbühnen und Lehrer an der Fritz-Kirchhoff-Schule „Der Kreis“ erklärt dazu: „Wir sind elf Lehrkräfte und nehmen keinesfalls mehr als 25 Studenten auf, so dass sie noch individuell betreut werden können. Außerdem kommen fast alle Lehrer aus der Praxis.“

Dietrich Lehmann gehört zum Grips-Theater und spielt dort seit den siebziger Jahren; er lehrt Theater- und Literaturgeschichte. Vom Grips kommt auch Renate Reiche, die die Szenenarbeit und das Rollenstudium betreut. Erich Schwarz kommt von den Staatlichen Schauspielbühnen, er betreut ebenfalls Rollenstudium und Szenenarbeit.

Jörg Schmalz (Tanzen) und Jan Herrmann (Singen) sind Ensemblemitglieder der Deutschen Oper Berlin. Anna Hogh lehrt Atmen und Sprechen als „Steigerung von Empfindungsfähigkeit“, Karl-Heinz Bauer betreut das Fechten, Janusz Cichocki die Improvisation, A. Szczuzewski das Thema Bewegen und Eberhard Kredel unterrichtet Aikido, eine japanische Selbstverteidungsschule, zur Steigerung der Reaktionsfähigkeit. Theorie und Praxis gehen also nahtlos ineinander über. Zu den Aufnahmebedingungen gehört, dass die Studenten höchstens 24 Jahre alt sind und vor einer Kommission, die aus Schauspielern der Genossenschaft deutscher Bühnenangehöriger und Theaterleitern des Deutschen Bühnenvereins besteht, die Eignungsprüfung ablegen müssen.

Joachim Bliese zu den Auswahlkriterien: „Die Bedingungen sind streng, denn wir wollen bei jungen Leuten keine Illusionen erwecken, die sich dann in diesem harten Beruf nicht realisieren lassen. Am Ende jedes Semesters muss eine Zwischenprüfung abgelegt werden, und die Abschlussprüfung – nach drei Jahren Ausbildung – erfolgt wieder vor der paritätischen Prüfungskommission.“

Zwei große Arbeitsräume stehen in einem Fabrikgebäude zur Verfügung, und das Obergeschoss konnte mit Geldern des Berliner Zahlenlottos und auf Empfehlung vieler Theaterintendanten, Kritiker und bekannter Schauspieler für weitere Probenräume ausgebaut werden. Der große Raum dient nicht nur für Fecht-, Tanz und Bewegungsübungen, sondern auch für kleine Aufführungen. „Etwa 80 Besucher bringen wir dort unter“, sagt Bliese. Aufgeführt werden Szenen aus dem erarbeiteten Repertoire, denn es sei besonders wichtig, dass die Studierenden möglichst schnell „auf die freie Wildbahn losgelassen“ werden.

Das bestätigt auch Inge Wolffberg, Absolventin der Fritz-Kirchhoff-Schule „Der Kreis“: „Ich gehörte zum ersten Studiengang, Günther Pfitzmann und Alexander Welbat, wenn ich nicht irre, waren auch dabei. Ich durfte sogar schon während der Ausbildung kleine Rollen im Landestheater Potsdam spielen, ehe ich 1949 zu den Stachelschweinen kam.“ Auch hier konnte sie viel auf der Schauspielschule Erlerntes verwerten, denn Kabarett stellt ja besondere Anforderungen an den Schauspieler, schnell und deutlich Pointen zu setzen.

„Wir sind stolz darauf“, so Dietrich Lehmann, der Leiter der Schule, „dass von den etwa acht Absolventen jedes Lehrgangs fast alle sofort in kleinen oder mittleren Bühnen Engagements bekommen. Ein Phänomen und ein Problem – übrigens nicht nur an unserer Schule – ist die Tatsache, dass sich seit einiger Zeit viel mehr Mädchen melden als Jungen. Traumbegabungen wie früher Horst Caspar, Klaus Kammer oder Helmut Griem sind heutzutage noch seltener als früher.“

Stolz ist die Fritz-Kirchhoff-Schule „Der Kreis“ auf die Worte, mit der wichtige Fachleute den Ausbau in der Glogauer Straße 6 in Kreuzberg befürwortet haben: „Die Fritz-Kirchhoff-Schule ist eine Ausbildungsstätte für Schauspieler, in der verantwortungsbewusst und künstlöerisch-pädagogisch kompetent unterrichtet wird.

Gisela Huwe